Lasst mich euch erst erzählen, wie alles begann. Ich war seit vier Jahren Schüler des spirituellen Meisters Sri Chinmoy, ein sehr hingebungsvoller. Ich fühlte klar, dass dies mein Pfad hin zur Selbstentdeckung war. Daher war ich entschlossen, all meine Fähigkeiten einzubringen, um schnellen Fortschritt zu machen. Ein wichtiger Teil dieses Fortschritts war die so genannte spirituelle Manifestation. Das bedeutete, von Beginn an, mein inneres Licht mit anderen Menschen zu teilen, insbesondere meine innere Verbindung zum Göttlichen, die letztendlich der Grundpfeiler meines inneren Fortschritts war. Ich liebte es, diesbezüglich Meditationskurse anzubieten. Und ich hatte die Gelegenheit, bereits schon in meinem zweiten Jahr als Schüler, gelegentlich Vorträge und Seminare in der Schweiz zu geben und in allen Nachbarländern. Mein Lieblingsland war Österreich, wo ich mehr Herzenswärme als in der Schweiz oder Deutschland verspürte (Dies war nur mein vorläufiges und subjektives Urteil zu diesem Zeitpunkt). Und Österreich hatte den Vorteil, dass ich immer noch in meiner Muttersprache sprechen konnte.
Während ich jedoch diese Kurse gab, entwickelte ich den Traum, mich eher eines südlicheren Landes anzunehmen. Und vorzugsweise eines, wo ich ganz von vorn anfangen konnte, mit noch keinen Schülern Sri Chinmoys oder bereits existierenden Sri-Chinmoy-Zentren. (Ich muss gestehen, dass ich es mir ein wenig einfacher vorgestellt hatte, als es dann tatsächlich wurde.) Nun, zur Auswahl standen Spanien und Griechenland.
Für mich war es ziemlich offensichtlich, dass es lohnenswerter war eine internationale Sprache wie Spanisch anstatt Griechisch zu lernen, die weltweit nur in einem kleinen Land zur Anwendung kommt. Daher begann ich unverzüglich mit dem Selbststudium, und ich wollte auf keinen Fall Sri Chinmoys Weihnachtsreise nach Spanien im Dezember 1984 versäumen, bei der er und viele seine Schüler alljährlich mehreren Ländern einen Besuch abstatteten. Alles verlief problemlos – zumindest bis zu meinem zweiten oder dritten Tag in Barcelona, als ich gerade von meinem üblichen Morgenlauf zurückkam. Und ich die letzte Straße vor unserem Hotel überqueren musste… .
In diesem Moment lenkte der Supreme, das höchste Göttliche, mein Schicksal auf ziemlich neuartige und überraschende Weise. Es war bestimmt nicht ich, der dies tat, da ich etwa einen Monat später in einem Krankenhaus meiner Heimatstadt Zürich erwachte. Sogar zum

dem Zeitpunkt, als ich erwachte, verstand ich nicht viel von dem, was da um mich herum vorging, weil ich die Schüler Sri Chinmoys, die mich im Krankenhaus besuchten, für Pfadfinder hielt, und weil alles, an was ich mich erinnerte, eine wunderschöne Reise mit Sri Chinmoy in der inneren Welt war. Übrigens, eine der Dinge, die mir Sri Chinmoy während dieser inneren Reise gesagt hatte, war, dass es mir bestimmt war, dass ich in einen sehr schweren Autounfall im darauf folgenden Jahr verwickelt werden würde, dass dies jedoch nur zu meinem Besten sei. Deshalb sollte ich mir keine Sorgen darüber machen.
Jedoch, zurück zu den Tatsachen, die sich in Spanien ereigneten, und die mir später von Sri Chinmoy, meinem Bruder und anderen Schülern berichtet wurden: Meine Seele kam unverzüglich zu Sri Chinmoy und erzählte ihm von dem Unfall, und sie sagte, dass es nutzlos sei in diesen Körper, der so schwer verletzt war, zurückzukehren. Sri Chinmoy bat jedoch meine Seele in den Körper zurückzugehen, um den er sich persönlich kümmern würde. Ein Befehl, den meine Seele mit großer Wonne Folge leistete. Sri Chinmoy fühlte sich zu jener Zeit dazu inspiriert, die He-Param-Pita-Liederreihe zu komponieren (Oh, Lord Supreme), die heute meine Lieblingslieder sind. Noch am selben Abend ging Sri Chinmoy ins Krankenhaus, gerade als mein Bruder aus der Schweiz angekommen war (nebenbei bemerkt, es war Heiligabend). Die spanischen Ärzte hatten meinem Bruder, der selbst Arzt ist, sehr detailliert über die gegenwärtige Situation aufgeklärt, die ziemlich hoffnungslos erschien: Irgend etwas zwischen Tod und bleibendem Koma.
An dieser Stelle wollte Sri Chinmoy offensichtlich seine eigene Sicht der Dinge demonstrieren: Er schritt zum Kopfende meines Bettes und begann damit, sich auf mich zu konzentrieren. Dies hatte die Auswirkung, dass ich mich in meinem Bett aufsetzte und damit anfing das Wort Pranam (ich verbeuge mich), mit einer sehr kraftvollen Stimme für etwa fünf Minuten zu singen. Danach legte ich mich wieder hin und schlief für einen weiteren Monat. Ich hatte auch das große Glück oder die Gnade, dass meine Eltern eine Versicherung abgeschlossen hatten, die beinhaltete, dass ihre Söhne im Falle eines schweren Unfalls im Ausland mit einem privaten Krankentransportflugzeug in die Schweiz zurückgebracht werden.
Die schweizer Ärzte waren nicht weniger als die spanischen erstaunt, als sie einen ziemlich hoffnungslosen Fall besser und besser werden sahen, auf unerklärliche Weise. Jedoch wäre es eine Lüge zu behaupten, dass meine mentalen Fähigkeiten die gleichen wie zuvor geblieben wären. Mein Kurzzeitgedächtnis ist klar reduziert, was es für mich unmöglich macht, gemäß meiner Ausbildung als Grundschullehrer zu arbeiten. Jedoch habe ich auf jeden Fall die Fähigkeit Meditationskurse zu geben, sogar mit einer erhöhten intuitiven Kraft und mehr Herz-zu-Herz-Kontakt.
Kann man daher wirklich von einer Benachteiligung sprechen? Bezüglich Geld, ja. Um mein reduziertes Einkommen auszugleichen, zog ich nach Griechenland, ein Staat mit geringeren Lebenshaltungskosten. Und, ganz nebenbei, auch das Land, wo ich meine letzte Inkarnation verbrachte, wie Sri Chinmoy mir später sagte. Dies machte es zusätzlich einfacher, diese Sprache zu lernen, trotz meinen eingeschränkten Merkfähigkeiten.
Nun werdet ihr euch vielleicht fragen, weshalb ich nicht gleich über Sri Chinmoys Wunder, welches ja letztendlich das Herzstück der Geschichte ist, geschrieben habe, und weshalb ich solch eine lange Geschichte mit dem Vor und Danach daraus gemacht habe. Das liegt daran, dass für mich ein Wunder nur dann einen Sinn ergibt, wenn es einen Vorteil für die Entwicklung der Seele mit sich bringt, und es keinen Sinn macht, wenn es nur für das Staunen des Verstandes und der Lebensenergie vollzogen wird. Ich würde sagen, dass das Wunder, welches Sri Chinmoy in Spanien vollbrachte, zur ersten Kategorie gehört.
Ich vergaß zu erwähnen, dass unmittelbar nach meinem ersten Treffen mit Sri Chinmoy, als ich irgendwie ins menschliche Bewusstsein zurückgekehrt war, er mir den Namen Mrittyunjoy gab, die Seele, die Unwissenheit und Tod besiegt hat, um dem Supreme auf Seine eigene Art und Weise zu gefallen. Es erübrigt sich zu betonen, dass es nicht ich, sondern Sri Chinmoy selbst war, der Unwissenheit und Tod besiegte, um dem Supreme auf Seine eigene Art und Weise zu gefallen. Aber ich glaube er brauchte irgend eine Rechtfertigung, mir einen spirituellen Namen zu geben.
- Mrittyunjoy Bader, Athen